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Zeichnung als Sprache
von Anjalie Chaubal (Katalogtext 2016)

Klar gesetzte Linien bilden sich zu körperlich anmutenden Formen, verdichten sich, brechen wieder auf zu lockeren Bewegungsrhythmen und formieren sich zu komplexen Gebilden zwischen Realität und Vorstellungskraft. Für Pia Mühlbauer ist Zeichnung das wesentliche Gestaltungsmittel, das in der radikalen Reduktion von dicht und locker aneinandergesetzten Linienstrukturen die ideale Ausdrucksform findet, innere Seelenzustände in eine visuelle Sprache zu übersetzen.
Wie die mimetische Nachahmung der Natur, empfindet sie sowohl auf Leinwand als auch auf Papier Formen, aus Natur und Landschaft nach, greift farblich und formal die Wucherungen wachsender Strukturen auf, die ein reiches Repertoire an Bewegungszuständen liefern. Es entstehen vielschichtige räumliche Gebilde, die beispielsweise an Pflanzen erinnern, die im Takt des Windes ihre Form verändern, oder vom Licht- und Farbenspiel eines norwegischen Fjords inspiriert werden.
Dicht aneinandergereiht legt Pia Mühlbauer Linien übereinander, arbeitet ins Dunkle hinein und bildet Formen die den Bezug zum Gegenständlichen nur noch andeuten. Sie schafft konzentrierte, körperhafte Materie mit einem sensiblen Gespür für freie, dazwischen entstehende Flächen, die ihr klar gesetztes Lineament auch in raumgreifenden Gesamtinstallationen¹ ausdrucksstark hervorheben. Die individuelle Geste, die kreisende Bewegung als natürliche Form der zeichnenden Hand transformiert Mühlbauer zu virtuos poetischen Bildräumen.
Gerade in ihrem Frühwerk geben die Linien und die zu Flächen verdichteten Formen auf teils unbearbeitetem Untergrund den Prozess der in zahlreichen Schichten langsam entstandenen Gesamtkomposition, preis. Es entsteht eine Vielzahl an Raumstrukturen, teils geradlinig gestaffelt, teils in schwungvollen Linien zu volumenhaften Körpern gebildet, die aus der Fläche in verschiedene Richtungen drängen oder in den beinahe vollflächig schwarzen Zeichnungen auf eine geheimnisvolle, schier unendliche Tiefe verweisen. Besonders die Ölpastelle zeigen teils eine düster anmutende Bildwirklichkeit, die an Platons Höhlengleichnis erinnernd auch als Schattenraum verstanden werden können, der die wahre Erkenntnis durch die Befreiung von Abbildhaftigkeit und Schein hervorbringt. Auch in diesem kathartischen Sinne ist die Farbe Schwarz im Werk von Mühlbauer zu verstehen.
Das vehemente Einsetzen der Farbe, das schon seit geraumer Zeit parallel zu den reduziert schwarzen Arbeiten auffällt, kann nicht mehr nur als malerische Verdichtung gelesen werden, sondern vielmehr als räumliche Explosion, die sich als rein abstrakter Vorgang in einer Gestik sich durchdringender und überlagernder Linien geradezu körperlich artikuliert².
Zahlreiche Arbeiten auf Papier, entstanden auf Studienreisen wie 2009 in Norwegen oder 2012 in Irland, sind vornehmlich geprägt von den farbigen Eindrücken vor Ort, die die Malerin zu Ölpastellen und einer Serie an Aquarellen in seltenen Farbkompositionen angeregt haben. Ungewöhnlich kräftig farbige aktuelle Papierarbeiten haben ihre Vorläufer bereits seit 1992 in Blättern mit Aquarellstift, Ölpastell, Ölkreide und Acryl, die jedoch meist auf eine Primär- oder Sekundärfarbe oder eine komplementäre Kontrastierung reduziert waren³. Besonders die Aquarelle, Gouachen und Wachskreidezeichnungen der letzten beiden Jahre verbindet die einerseits empfindsame und gleichzeitig kompromisslos eindeutige Herangehensweise Pia Mühlbauers und lassen uns mit Spannung erwarten, wie sich sowohl die zeichnerische als auch die malerische Sprache der Künstlerin konsequent weiterentwickelt.
(1) Universität Passau, Juridicum , Pia Mühlbauer, Wandbild, Standort Foyer-Westwand, Graphit auf getöntem Grund,
Staatliches Hochbauamt Passau, Passau 2002, S. 32-33.
(2) zitiert nach: Michael Senff, in: Pia Mühlbauer, Zeichnungen 1995 - 1997, Passau 1998, S. 3.
(3) Pia Mühlbauer, schwarzbunt, Edition Villa Concordia Bamberg 2002.



Seelenlandschaften - Pia Mühlbauer im Six Raum für Kunst
Mag. Doris Breinstampf, Tips Redaktion, 08.05.2014 15:02 Uhr
Seewalchen. Pia Mühlbauer zählt zweifelsohne zu den bedeutendsten Zeichnerinnen. Nun erhält sie mit der Ausstellung "Notizen" in Seewalchen die ihr gebührende Aufmerksamkeit.

Bis 20. Mai stellt die im deutschen Arnschwang geborene Künstlerin, die selbst die Zeichnung als ihr wesentlichstes Gestaltungsmittel nennt, "Notizen" vor, die vorrangig auf Studienreisen nach Norwegen und Irland entstanden sind. Die Arbeiten von Pia Mühlbauer haben auf den ersten Blick nichts Abbildhaftes und zielen nicht auf die Wiedergabe von Realität. Dennoch sind sie weit mehr als freie Phantasien über ein vorgegebenes Thema. Sie nämlich reduziert Natur auf das Wesentliche und rückt den oftmals durch andere Reize überdeckten Charakter von Landschaften in den Vordergrund .Dafür bringt die Künstlerin ihr Erlebnis der Wirklichkeit, ihre Empfindung, die die natürliche Umgebung in ihr auslöst, mit schwarzem Ölpastell zu Papier .Spür und sehbar. Mittels gezielter und klar gesetzter Linien oder zu Flächen verdichteten schwarzen Formen erreicht sie selten raffinierte Kompositionen mit kraftvoller Dynamik. Der individuellen, ausdruckstarken Formensprache gehen lang währende Beobachtungen von Natur und das Fühlen damit einhergehender Stimmungen voraus. In dem Maß, wie Mühlbauers Auge und Hand die Kreide das Papier beim Schaffensprozess dann erobern lassen, scheinen sich die Elemente in ihr zu bündeln und manchmal Strich für Strich die Grenzen des Zeichenblattes zu sprengen, fast wie Skulpturen aus der Begrenzung des Blattes zu wachsen und drängen. Wild und schroff, wie die norwegische Landschaft oder luftig wirbelnd, wie der irische Wind. Die feinsinnige Künstlerin fängt den natürlichen Charakter ihrer Umgebung ein und bannt ihn reduziert auf das Wesentliche, auf jeden Fall einzigartig und treffend auf das Papier. Dr. Michael Senff, Leiter der Staatlich Graphischen Sammlung, München schreibt über die Ausnahmezeichnerin: „Ausgehend von einer sehr herben Vorstellung von Landschaft und Figur fand die Künstlerin zu einer fast archaisch zu nennenden Bannung des Ausdrucks, die sich gerade in den üppigen, vegetabil wuchernden Formgebilden offenbart." Pia Mühlbauer wurde 1953 in Arnschwang geboren, 1977 bis 1981 studierte sie an der Akademie der Bildenden Künste in München. Sie wurde mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen gewürdigt, ihre Bilder wurden in zahlreichen europäischen Ländern präsentiert. Studienaufenthalte führten Pia Mühlbauer unter anderem nach Norwegen, Finnland, Irland. Seit 1999 bis heute lehrt sie als Dozentin an der Fachakademie für Raum und Objektdesign.
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Pia Mühlbauer – Zeichnungen

von Michael Senff (Katalogtext 1998)

Die Künstlerin Pia Mühlbauer erwies sich erstmals mit einer umfangreichen Gruppe von Ölpastell-Arbeiten auf Packpapier – überwiegend in der Zeit von 1985 bis 1990 entstanden – als Zeichnerin von Rang. In der Beschränkung der Mittel und in der Reduktion auf das elementare Schwarz-Weiß fand Pia Mühlbauer hier zu ihrer individuellen Sprache. Aufgrund von einer sehr herben Vorstellung von Landschaft und Figur erreichte die Künstlerin schon in ihren frühen Zeichnungen eine fast archaisch zu nennende Bannung des Ausdrucks, die sich gerade in den üppigen, vegetabil wuchernden Formgebilden offenbart. Die Blätter führen die Prozeßhaftigkeit im Werden vor Augen, welches die latente Gefährdung und Verletzbarkeit des Individuums stets in sich trägt. In der lastenden, düsteren Monochromie des Strichbildes klingt schon hier bisweilen ein „gestischer" Rhythmus an.
Der unauslotbare Kosmos von Natur und organischem Wachstum beherrscht als Generalthema auch die folgenden Arbeiten. Vor leerem Bildraum entfalten sich die kuriosesten Verknotungen und Ausstülpungen wie brütende Bündelungen von Wachstumsenergien. Überraschende Öffnungen und Spalten, die oft wie Wunden wirken, beschwören nichts Zuständlich-Bergendes, sondern einen Prozeß steter Verwandlung. Pia Mühlbauers organische Verpuppungen, ihre Metamorphosen des Vegetabilen sind zeitgenössische Wucherungen jener legendären „Blumen des Bösen". Kaum zufällig nennt die Künstlerin Kubin und Soutter als Wahlverwandte, die sie besonders schätzt. Man könnte noch den Friulaner Giuseppe Zigaina anführen, dessen halluzinierende Optik zu den fremdartigsten „Anatomien" des Landschaftlichen und Kreatürlichen führte. Mikrokosmen aus dem Bereich von Botanik und Biologie erscheinen bei Pia Mühlbauer oft in extremer Vergrößerung herausgezeichnet und gewinnen – ähnlich wie in den Fotos von Karl Blossfeld – ein geheimnisvolles Eigenleben. Nur ist es nicht die sezierende Durchleuchtung, die Pia Mühlbauer anstrebt, sondern gerade im nahsichtigen Ausschnitt eine eigentümlich verfremdete Unschärfe, die das metamorphe Evolieren der Form nur begünstigt. Hier sei Odilon Redon zitiert, der sich einmal an den Botaniker Armand Clavaux erinnerte: „…An den Grenzen der wahrnehmbaren Welt suchte er das Zwitterleben zwischen dem Tier und der Pflanze, eine Blume oder ein Geschöpf, ein rätselhaftes Element, das unter der Einwirkung des Lichtes für einige Stunden Tier wird."
Mühlbauers neueste Blätter schließlich markieren einen Wandel. Obgleich unmittelbar vor der vehement eingesetzten Farbe beherrscht, sind sie kaum als malerische Verdichtungen zu lesen, sondern bewahren in einem ganz ausgesprochenen Sinn den Charakter von Zeichnungen. War den schwarzen „Gewächsen" von 1995 noch etwas Aufgestaut-Drängendes zu eigen, als befände sich eine geballte Sprengladung im Augenblick vor ihrer Zündung,, so hat in den jüngsten Farbblättern die Explosion stattgefunden. Die fast körperlich zu nennende Dynamik artikuliert sich hier – ohne Referenzen an Gegenständliches oder Pflanzenhaft-Biomorphoses – als rein abstrakter Vorgang in einer Gestik sich durchdringender bzw. überlagernder Linien, die man im Werk der Künstlerin wie ein spätes Echo auf die vitalen Kräfteseismogramme der Zeichnungen des Lehrers Hans Baschang vernehmen mag. Gleichzeitig sind wiederum großformatige Gemälde im Entstehen, die Pia Mühlbauer auf dem Weg zeigen, eine geschlossene Form neu zu finden. In der latenten Spannung und Bedingtheit ambiavalenter Ansätze gründen Glaubwürdigkeit und schöpferisches Potential dieser Künstlerin.



Vorwort zur Mappe "Haussegen" (1994)
von Ines Kohl

Pia Mühlbauer braucht, wie sie selbst sagt, zum Zeichnen, zum Malen, kein Motiv. Der Anlass liegt in ihr selbst. Konkrete Motive waren immer nur ein Vorwand, Gefühle, Stimmungen zu erkunden, persönliches Empfinden in ein Wechselspiel der Spannungen zur umgebenden Welt zu setzen.
In ihren neuen Zeichnungen wendet sich Pia Mühlbauer vom Raum als definiertem Spielraum der Gestalt dem Freiraum zwischenmenschlicher Beziehungen zu. Dieser Freiraum, der vom Menschen bestimmt wird, der aber auch ihn bestimmt durch das ständige Ziehen von Grenzen, ist auszuloten. Dabei wird der zeichnerische Prozess selbst als Ausdruck innerer Befindlichkeit zum Thema und bestimmt die Form, die sich aus einer Struktur von Erinnerungen entwickelt. Dabei ist das Endprodukt nicht als abgeschlossen zu sehen, der Betrachter muss den Vorgang der Zeichnung nachvollziehen, um ihre Atmosphäre zu erfassen. Dieses komplizierte und sensible Gefüge bedingt, dass nicht von Zeichnung die Rede sein kann, die den Gegenstand eindeutig wiedergibt, sondern in der Spannung freier Formen und anscheinend gegenständlicher Bildzeichen ein Gefüge atmosphärisch assoziativer Anspielungen entsteht, das die Verständigungsebene zum Gegenüber herstellt. Dafür hat Pia Mühlbauer ihre eigene Ikonografie emotionsbestimmter Kürzel entwickelt.
Häufig sind noch bekannte, organisch-vegetabile Formen vorhanden, doch werden sie immer mehr reduziert auf Ausdruckgebärden von Form, wie sie von ihr empfunden werden. Die Formen werden zu Gesten, zu fein bewegten Gefügen, die sich aus Krakelüren, Flecken, erfundenen und gestaltähnlichen Zeichen zusammensetzen. Sie bewegen sich aufeinander zu, nehmen Kontakt zueinander auf, überlagern sich, distanzieren sich voneinander. Im affektiven Duktus freier Assoziation verbinden sich abschweifende Linien und konzentrierte Strichansammlungen zu einem sichtbaren Kommunikationsnetz, das auf emotionaler Ebene funktioniert.
Für Pia Mühlbauer, die im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet, im Bewusstsein einer fast undurchdringlichen Grenze, aufgewachsen ist und überwiegend dort arbeitet, haben Grenzräume eine signifikante Bedeutung bekommen. Die geöffneten Grenzen haben die Erfahrung gebracht, dass offene Grenzen nicht unbedingt gleichzeitig grenzenlose Offenheit bedeuten. Wer sich Offenheit wünscht, muss ungeschriebene Grenzen respektieren.
Grenzen anerkennen oder überschreiten, Grenzen setzen, Grenzen verletzen, eingrenzen, abgrenzen und ausgrenzen, um all das, was zwischen den Menschen passiert, hat sie auf diesen Blättern die Gedanken mit dem Zeichenstift kreisen lassen.




Die Offenheit der Erfahrung
Anmerkungen zu dem zeichnerischen Werk von Pia Mühlbauer
von Herbert Schneidler (Katalogtext 1992)

Die moderne Handzeichnung unseres Jahrhunderts sieht ihre Aufgabe nicht darin, etwas Gesehenes wiederzugeben, wie es seit der Florientiner Frührenaissance der Fall war. Vielmehr richtet sie sich auf das Sichtbarmachen von Empfindungen und auf Bezüge, die sich aus dem Spannungsverhältnis von der inneren Bildwelt des Menschen zu der sichtbaren Wirklichkeit ergeben. Wenn sich Pia Mühlbauer in einem Gespräch auf eine Irlandreise und die dort allseits anzufindenden Hochkreuze – oft mit dem Motiv eines Kalvarienberges – verweist, dann meint sie weniger die Abstraktions-Ausdruckkraft der Darstellungen. Sie denkt vor allem an die Funktion jener frühchristlichen Skulpturenreliefs, nämlich Inhalte zu vermitteln, die des Lesens unkundigen Menschen aussagekräftig und verständlich sind. Schon damals, als etwa 14-jährige Jugendlich, interessierte sie das Phänomen der Sprachlichkeit von Bildern.
Für ihre Kunstauffassung erkannte sie damit eine Aufgabenstellung der Zeichnung, die in unserer Zeit zunehmend an Bedeutung gewann, auch wenn die alte reproduktive Funktion der selbständigen Ausdrucksfunktion der bildnerischen Mittel und ihrer evokativen Qualität gewichen ist.
Pia Mühlbauers Ölpastelle und Kreidezeichnungen, meist auf Papier oder Karton, decken hier eine Schaffenszeit von fast zehn Jahren ab. Immer wieder taucht ihr Ausgangsthema auf, nämlich das Verhältnis von Mensch und Tier zu befragen. Schon früh wurden der Künstlerin all die Gefährdungen der Natur bewusst, die der Mensch in seiner Gewinn- und Ausbeutungssucht ihr zugefügt hat. Der Charakter der Verletzbarkeit zieht sich wie ein Strang durch das zeichnerische Werk – dagegen setzt die Künstlerin eine Formensprache, die spiralenartig verlaufende oder gekurvte Linien beinhaltet. Die Instabilität des Werdens wird in seiner Prozesshaftigkeit verdeutlicht, mal durch eng beianderliegende Strichlagen, mal durch eine klare Linienführung. Fast seismographisch tastet Pia Mühlbauer mit dem Zeichenstift das Blatt ab. Aus dem Nichts des weißen Papieres entsteht eine Bildwelt, die Unsagbares in eine bildnerische Sprache übersetzt. Dabei erfährt aber die Künstlerin auch Widerstände, die sich aus der Thematisierung der künstlerischen Mittel ergeben, des weiteren aus der Wechselbeziehung von Malerei und Zeichnung. Als die gemalten Figurenlandschaften von 1983/84 zu räumlich-illusionistisch wurden, entstanden Ölpastelle1985/86, die jener Erscheinungsweise entgegenwirkten. Figuren wurden tendenziell als zweidimensionale Flächenformen gezeichnet, das körperlich-plastische trat zurück. 1987, als der Buntwert der Farbe vordergründig bei den Bildern erschien, stellte Pia Mühlbauer vorübergehend das Malen ein. Dafür entstanden größere Blätter auf Packpapier, die vornehmlich schwarz-weiß gehalten waren, trotzdem eine stark bildhafte Wirkung aber besaßen. Aus diesen Beispielen zeigt sich, mit welcher Ernsthaftigkeit und mit welcher Experimentierlust Pia Mühlbauer ihr künstlerisches Tun begreift. Zahlreiche Blätter sind wie ein Zyklus angelegt, der eine bestimmte Bildidee paraphrasiert.
Der Kern dieser Feststellung gründet sich in den aufschlussreichen Worten des Philosophen Hans-Georg Gadamer, dass „die Erfahrung stets den Bezug auf neue Erfahrung enthält – Offenheit der Erfahrung". –
Das zeichnerische Werk der Künstlerin mag sich einem schnellen Zugang des Betrachters zunächst versperren. Erst bei intensiver Auseinandersetzung werden Formen und Strukturen erfahrbar, die das Werk so unverwechselbar erscheinen lassen. Es kann niemals um ein Verstehen dieser Kunst gehen, denn Verstehen ist, wie Nietzsche in seinem Spätwerk einmal feststellte, „das Gleich-machen des Ungleichen".